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    Identität als Mutter: Was ich aufgegeben habe – und was neu entstanden ist

    Aktualisiert: 6. März

    Text auf Holzsteinchen
    Mit dem Kind wird auch die Mutter neu geboren.

    Meine neue Identität als Mutter hat alles verändert. Nichts blieb, wie es war. Und gleichzeitig ist so viel Neues entstanden, das ich vorher nicht einmal erahnen konnte. Was ist überhaupt Identität? Es ist die Art und Weise, wie ich mich selbst wahrnehme , verstehe und in meine Umwelt einordne. Die Vollendigung der Worte "Ich bin..."


    Was ich aufgegeben habe

    Als ich Mutter wurde, habe ich in kurzer Zeit unglaublich viel aufgegeben – Dinge, über die ich mich definiert habe, die mich glücklich gemacht haben, die meine Identität geprägt haben:


    • Ich bin Vollzeit berufstätig. --> 19 Monate berufliche Auszeit

    • Ich bin wohnhaft in der Landeshauptstadt. --> Umzug aufs Land

    • Ich bin in einer Wochenendbeziehung. --> Zusammenzug mit meinem Mann

    • Ich gehöre diversen Gruppen an (Fitness, GfK, Kollegium, Verein) --> Auflösung durch Umzug und Fokusverschiebung

    • Ich habe viele Freunde und Bekannte. --> Kontaktabbrüche

    • Ich habe feste Routinen im Alltag. --> Vollzeit Fokus auf Befriedigung der Grundbedürfnisse eines Säuglings


    Damit einher gingen starke Gefühle der Einsamkeit, Traurigkeit, Ohnmacht, Langeweile und Überforderung. Und vor allem das Erleben einer intensiven Gleichzeitigkeit von leichten und schweren Emotionen.


    Ich habe so viel losgelassen – für eine einzige Person: meinen Sohn. Es war das selbstloseste, was ich je getan habe.

    Wofür noch? Für den Wunsch, als Familie zusammenzuwachsen. Ein Team zu sein. Stabilität zu geben. Einen Nährboden zu schaffen, auf dem ein kleiner Mensch sicher wachsen kann.


    Doch was habe ich daraus gemacht?

    Meine Identität hat sich verändert – aber ich habe mich nicht aufgegeben. Das ist ein wichtiger Unterschied.


    Denn parallel zum Loslassen habe ich aktiv neu aufgebaut:

    • Neue Freundschaften in Krabbelgruppen geknüpft

    • Beziehungen zu anderen Mamas gepflegt

    • Ein Zuhause geschaffen, in dem ich Raum habe

    • Neue berufliche Netzwerke aufgebaut

    • Eine intensive Weiterbildung zur Systemischen Coach abgeschlossen

    • Meine Freiberuflichkeit vorangetrieben: Website, Instagram, Kontakte, Marketing..

    • Eine WG gegründet in meiner Stadt-Wohnung


    Ich habe mich neu verwurzelt – langsam, bewusst, manchmal schmerzhaft, aber immer mit Blick nach vorne.

    Momente, in denen ich mich verloren habe

    Es gab Phasen, da dachte ich: Ich schaffe das nicht. Ich war so weit von mir selbst entfernt, dass ich mich verloren glaubte. Verloren im Hustle der Care-Arbeit. Abgeschnitten von meinem alten, privilegierten, geliebten Leben und dem Lebensumfeld. Und doch bin ich wieder aufgetaucht.


    Wie ich mich wiedergefunden habe

    Ich habe mich nicht zufällig wiedergefunden – ich habe aktiv daran gearbeitet:

    • Coaching in Anspruch genommen

    • Radikal ehrlich mit mir selbst und meinem Mann gesprochen

    • Überforderung frühzeitig benannt und Hilfe geholt

    • Neue Wege gefunden, meine Bedürfnisse zu erfüllen

    • Mir immer wieder die Frage gestellt: „What’s in it for me?“

    • Mir selbst Zeit gelassen und dem Prozess vertraut

    • Erfahrungen mit anderen ausgetauscht


    Ich habe meinem Denken einen neuen Rahmen gegeben. Weg von Mangel, hin zu Möglichkeiten. Das ist Resilienz: nicht das Aushalten, sondern das aktive Gestalten.

    Von: „Ich muss meine Wohnung untervermieten.“

    Zu: „Ich lebe sowohl in der Stadt wie auch auf dem Land - das ist Vielfalt!“

    Von: „Ich verliere Freunde und Gewohnheiten.“

    Zu: „Ich gehe aktiv auf Menschen zu und erkenne, was mir gut tut."



    Bin ich jetzt „fertig“?

    Ganz sicher nicht. Die Elternzeit endet, und ich darf meine beruflichen Facetten wieder wachküssen und integrieren. Ich bin mittendrin in diesem Prozess – und das fühlt sich lebendig an.


    Was ich gelernt habe

    All das hat meine Resilienz gestärkt und mir gezeigt:

    • Veränderung nimmt mir niemand ab.

    • Hilfe kommt selten ungefragt – ich darf sie einfordern.

    • Identität ist nichts Statisches.

    • Ich bin die Gestalterin meines Lebens.

    • Und damit ein Vorbild für mein Kind.


    Mutterschaft ist eine besondere Entwicklungsaufgabe. Sie fordert uns heraus, zwingt uns zur Ehrlichkeit, zur Priorisierung, zur Selbstfürsorge. Sie nimmt uns viel – und schenkt uns gleichzeitig eine neue Tiefe.

    Ich habe mich verändert. Ich habe viel aufgegeben. Und ich habe so viel Neues geschaffen.

    Nicht trotz Mutterschaft. Sondern durch sie.




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